Ton Modell

By Nat, November 11, 2014

Herstellung einer Verlorenen Form

Eine überlebensgroße Büste von sich haben, wollen wohl nur Exzentriker. Tatsächlich brauchte ich ein williges Modell um das Modellieren zu lernen, zum Glück fand ich einen schönen Mann in meinem unmittelbaren Umfeld ^^. Der Ausbildungsberuf Bühnenmaler/-plastiker sieht einen praktischen Schwerpunkt vor, diesen hatte ich in der Malerei gewählt. Weil ich mich schon damals schwer entscheiden konnte, wollte ich gerne nachholen, was ich in meiner Ausbildung in der Praxis nicht gelernt hatte – die Bühnenplastik.

Unter der Anleitung meiner Plastikerkollegen lerne ich die Herstellung einer sogenannten „Verlorenen Form“. Im Wesentlichen formt man dabei das Tonmodell in Gips ab, um das Negativ dann wieder mit Gips zu füllen. Klingt komisch, ist aber so. Mittels der zuvor applizierten „Warnschicht“ klopft man die Gußform vom Gußstück mit Hammer und Meissel ab. Klingt nach Spaß, ist aber der pure Nervenschocker.

Bei der Modellage muss man sich zuerst eine Armierung, also ein Innengerüst, herstellen. Hier ist es ein Rundeisenstab mit „Spikes“ und Draht mit Holz-„Schmetterlingen“. Schmetterlinge sind in den Draht hineingezwirbelte Holzstäbchen (ca. 5x3x3cm Hölzchen), die den Ton zusaätzlich von innen stützen. Andernfalls verrutscht der Ton oder reißt an belasteten Stellen aufrgund seines Gewichts und seiner Viskosität.

Danach fertigt man eine 1:1 Zeichnung seines Motivs an, bestenfalls von der Seite und einmal von vorn. Ideal ist auch, die Konturen und wichtigen Punkte 1:1 auf eine Klarsichtfolie zu übertragen. Diese kann man im Verlauf des Modellierens immer wieder zwischen sich und das Tonmodell halten um die Proportionen zu checken. Dann wird aufgebaut. Immerwieder Ton abgerissen und grob mit dem Daumen aufgedrückt. Ab, druff, ab, druff, ab, druff. So lange, bis die Schultern, ein Hals, ein Kopf sichtbar sind.

Die ersten Flächen und Formen kann man gut mit einem Klötzchen formen. Den Kopf rund machen, die Stirn flacher, die Nase ein Dreieck etc. Für die Details (Augenhöhle, Lippen, Nasenlöcher) nimmt man sich geeignetes Modellierwerkzeug. Jaaa, und trotzdem nehme auch ich manchmal meine Finger, ich spüre damit einfach besser ob ich symmetrisch gearbeitet habe… Nach gefühlten 3 Wochen bin ich zufrieden und fertig für das Abformen. Der Ton ist immernoch feucht, immer schön abgedeckt mit einem feuchten Tuch und Folie über Nacht.

Da es sich um ein Motiv mit Hinterschneidungen handelt, muss ich eine zweigeteilige Form herstellen. Dazu führe ich einen Faden über die Mitte der Schulter über die Ohrlinie über den Kopf, über das andere Ohr und die andere Schulter wieder auf die Unterlage. Dank des Tons hält der Faden. Ich rühre etwas Gips an und färbe ihn ein. Es hat sich bewährt viel Pigment zu nehmen, desto weniger gut ist die Haftung – beim Entformen sehr zuträglich! Diese eingefärbte Plörre wirft man regelrecht von allen Seiten auf die Tonfigur. Das Werfen sorgt für einen Auftrag ohne Lufteinschlüsse, die später als Bläschen sichtbar wären. Wenn alles schön eingemümmelt in Rot ist, kommt der etwas weniger flüssige Gips. Nun baut man wie ein Stukkateur mit dem Gips eine Form um sein Modell, bis er anzieht ist man damit beschäftigt den Gips immer wieder mit den Händen nach oben zu schieben. Es muss notwendigerweise etwas hektisch sein, denn der Faden zur Trennung der Form muss gezogen werden bevor der Gips hart wird. Wenn dies geschehen ist, wartet man, bis die Form sich erwärmt, abkühlt und ganz trocken ist.

Wenn die Form getrocknet ist, kann entformt werden. Hierzu bewähren sich Holzkeile, die man sanft von allen Seiten in den Trennungsspalt der 2 Hälften steckt. Nun wird das Ganze gewässert. Die Holzkeile quellen und schieben die 2 Hälten auseinander. Man schlägt sich immer wieder tiefer hinein, bis die Hälften sich trennen. Meist kommt eine Hälfte leichter runter als die andere, bei der verbleibenden muss man den Ton dann rauspuhlen, deswegen hat der Arme also keinen Hinterkopf mehr. Das Tonmodell ist nun i.d.R. kaputt und kann eingestampft werden. Die Negativ-hälften dienen nun als Form für einen Abguß…

To be continued!

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